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15 December 2024

Profi-Tipps Bewerbungsschreiben

Anschreiben, Bewerbungsschreiben, Motivationsschreiben

Wie du nicht schon an der "perfekten" Einleitung scheiterst...

Vom No-Go des "Hiermit bewerbe ich mich" über Erklärungsnöte zu Wechsel- und Eignungsgründen bis zur Gehaltsvorstellung - manche doktern gefühlt schon eine Ewigkeit an ihrem Bewerbungsschreiben herum, schreiben es immer wieder um und... fühlen sich trotzdem nicht wohl damit und bleiben unsicher. Aus 20 Jahren Erfahrung weiß ich, dass dem Einzelnen mit der themenbezogenen Informationsflut im Netz nicht geholfen ist. Wichtig: Das Pferd nicht von hinten aufzuzäumen...


Folgende Herangehensweise hat sich bewährt:

1. Stellenanalyse

Stellenangebote wollen richtig gelesen werden und setzen die Unterscheidung zwischen Muss- & Kann-Kriterien sowie Hard & Soft Skills voraus. Wenn du Stellenangebote richtig analysierst, kannst du daraus die Erfolgswahrscheinlichkeit deiner Bewerbung ableiten und im Anschreiben die richtigen Prioritäten setzen. So kannst du deine Bemühungen und deine Energie auf die aussichtsreichste Schiene bringen und verlierst nicht unnütz Zeit & Chancen.

2. Abgleich Anforderungs-/Qualifikationsprofil

Der Erfolg einer Bewerbung korreliert direkt mit dem Grad an Übereinstimmung zwischen arbeitgeberseitigen Anforderungen (Idealkandidat) und bewerberseitiger Qualifikation (Werdegang). Das heißt, bevor du überhaupt darüber nachdenkst, wie du die Einleitung formulieren könntest, solltest du das Stellenangebot Wort für Wort aufmerksam lesen und formlos notieren, welche deiner Erfahrungen und Kenntnisse am besten zu den Aufgaben und dem Unternehmen passen. Dies ergibt das Grundgerüst für dein Anschreiben und ggf. auch für Lebenslauf-Anpassungen.

3. Motivation, individuelle Aussage & Co.

Eine individuelle Aussage herzustellen, meint nicht, potenziellen Arbeitgebern mit unglaubwürdigen 08/15-Floskeln "Honig um den Mund" zu schmieren und/oder zu schreiben, was jetzt/bisher deine Aufgaben waren. Du kannst nur überzeugen, wenn du gedanklich tiefer gehst. Das heißt, geh auf die Homepage des Unternehmens und finde so viele Übereinstimmungen (Eignung) und/oder Punkte, mit denen du dich wirklich identifizierst (Motivation). Mit deinen Notizen hierzu stellst du aktiv eine glaubwürdige Verbindung her. Damit hast du jetzt alle Basis-Informationen, die du für den Grobentwurf deines Anschreibens benötigst.


4. Grobentwurf

Nachdem du dich mit der Stelle und dem Unternehmen auseinandergesetzt und Informationen dazu gesammelt hast (siehe Punkte 1. bis 3.), fügst du diese in einfachen Sätzen nach dem folgenden Prinzip für Aufbau & Feinschliff zusammen. Beiss dich dabei weder an der Einleitung noch an konkreten Formulierungen fest. Schreib besser alles zusammen, was für die Stelle relevant sein könnte - egal wie lange der Text wird! Erst im zweiten Schritt gehst du den Text wieder und wieder durch. Dabei fällt auf, wo du dich wiederholst oder was du zusammenfassen kannst.


5. Aufbau & Feinschliff

Die Prioritäten, nach denen die Information in deinem Anschreiben vermittelst, orientieren sich immer an den im Stellenangebot beschriebenen Aufgaben und gewünschten Voraussetzungen. Allgemein gilt: Vermeide Schachtelsätze und formuliere aktiv (nicht "meine Aufgaben waren", sondern sinngemäß "ich tue/mache..."); ordne nach Sinn-Zusammenhängen; weniger Relevantes fällt weg.

Folgende systematische Herangehensweise hat sich bewährt:
Einleitung (ca. 3-4 Zeilen): Die Einleitung kann auch später formuliert werden und besteht darin, in 2-3 Sätzen klarzumachen, worin du die Parallelen zwischen dir und dem Unternehmen und den Aufgaben siehst - an dieser Stelle gilt wirklich das häufig zitierte "kurz & prägnant" (was gefällt dir gut am Unternehmen und den Aufgaben und warum).

Hauptabsatz (ca. 6-7 Zeilen): Hier gehst du konkret auf die Aufgaben im Stellenangebot ein und führst die hierzu passenden relevantesten Kenntnisse/Erfahrungen aus deinem Lebenslauf aus (die du dir ja bereits notiert hast). Bei den Prioritäten orientierst du dich an der Reihenfolge der Aufzählung im Stellenangebot. Das Wichtigste kommt zuerst.
Achtung: Es geht nicht darum, deinen Lebenslauf zu spiegeln, sondern das stellenspezifisch Verbindende in den Vordergrund zu stellen!

Absatz (3-4 Zeilen): An dieser Stelle geht es um das "Handwerkszeug" wie z. B. bestimmte Tools oder Methoden, die in diesem Job wichtig sind, sowie um die jobspezifischen Stärken, die sog. Soft Skills, die du mitbringst. Achte allerdings darauf, dass du die im Stellenangebot genannten Stärken nicht 1:1 übernimmst. Überlege dir eigene Formulierungen und Beispiele.

Kleiner Absatz (1-2 Zeilen): Wenn du eine Gehaltsvorstellung und den frühestmöglichen Eintritt nennen sollst, ist dies die richtige Stelle dafür. Sei dir bewusst, dass unrealistische bzw. nicht zum Unternehmen und zur Aufgabe passende Gehaltsvorstellungen ein Absagegrund sind!

Schlusssatz: Ein netter Satz ohne Übertreibung ist völlig in Ordnung, der auch deiner Persönlichkeit und deiner Ausgangssituation passt. Nicht jeder muss polternd & fordernd aus dem Anschreiben gehen und auch ein "würde" ist kein Beinbruch (während der Konjunktiv bei der Argumentation der fachlichen & persönlichen Eignung fehl am Platze ist).

Einsatz von KI: Du kannst dir auch von KI wie ChatGPT bei der Formulierung helfen lassen, solltest dir aber bewusst sein, dass du selbst dich mit dem, was da geschrieben steht, identifizieren musst. Gut formuliert heißt nicht floskelhaft & unglaubwürdig! Außerdem ist dein Anschreiben nur so gut wie dein KI-Prompt (Input), da der Text deine Persönlichkeit und deine Qualifikation widerspiegeln muss - real und nicht fake;)

Textlänge gesamt: Dein Anschreiben sollte eine Textlänge von ca. 20 (geschriebenen) Zeilen nicht überschreiten und gut strukturiert sein, s.o.


6. Hohe Sorgfalt beim Versand (E-Mail-/Online-Bewerbungen)

Lass zwischen Erstellung und Versand immer etwas zeitlichen Abstand, da es bei Textarbeit normal ist, mal etwas zu übersehen/überlesen (Flüchtigkeitsfehler, Wiederholungen, Fehler in der Abwicklung etc.). Mit frischem Blick fallen dir Fehler und Optimierungsmöglichkeiten schnell ins Auge. Zudem kannst du dich besser auf einen fehlerfreien Versand deiner Bewerbung konzentrieren. Bei Schwächen in Rechtschreibung & Grammatik empfiehlt es sich zusätzlich, im Familien- oder Freundeskreis gegenlesen zu lassen.

Jede Unachtsamkeit bei der Versandabwicklung kann deine Chancen auf Erfolg schmälern kann. Mit anderen Worten: Bewirb dich wie gewünscht! Beachte jede ausschreibungsspezifische Information zum Thema Bewerben, u.a. konkrete Ansprechpartner, Kennziffer etc.

Bei E-Mail-Bewerbungen kann zudem eine PDF-Bewerbung an eine Test-Email-Adresse gesandt werden. Bei Online-Abwicklungen sollte jede Unsicherheit im Vorfeld geklärt werden. Im Karriereteil der jeweiligen Unternehmens-Homepages findet man meist konkrete Ausführungen hierzu. Sollte dies ausnahmsweise nicht der Fall sein, kann im direkten telefonischen Kontakt das Bemühen um eine korrekte Abwicklung signalisiert und nachgefragt werden.


FAZIT: Den Job kriegt nicht der, der sich am schnellsten bewirbt, sondern derjenige, dessen Bemühen um den Job anhand der Qualität und Aussage der Bewerbungsunterlagen erkennbar ist.
Je weniger dir dazu einfällt (Vorteil-Nutzen-Argumentation), desto geringer die Erfolgswahrscheinlichkeit, oder anders gesagt, desto mehr musst du dir einfallen lassen, um überhaupt eine Chance zu haben. Bei Jobeinstieg, Karriereaufstieg, Branchenwechsel, Quereinstieg oder sonstigen aktuellen Nicht-Parallelen gibt es jedoch Möglichkeiten, die Erfolgswahrscheinlichkeit systematisch zu steigern (individuelle Bewerbungsanpassung vs. Standardbewerbung).
Wer sich nach dem Gießkannenprinzip und/oder "nur" aus der Not heraus bewirbt (Weg-von-Motivation vs. Hin-zu-Motivation), hat nicht nur weniger Chancen auf den Job, sondern tut sich meist selbst keinen Gefallen - selbst wenn es per Zufall "irgendwo" klappen sollte.

Nebenbei gesagt: Viele Absagen sind aufgrund der nicht erkennbaren Eignung im Anschreiben und vor allem im Lebenslauf vorprogrammiert. Andererseits werden auch Bewerber mit mangelnder Anschreibenqualität oder gar Rechtschreibfehlern und groben Schnitzern zum Vorstellungsgespräch eingeladen, wenn sie über eine besonders nachgefragte Qualifikation verfügen.