
Fremdbestimmung & Arbeit bzw. fremdbestimmtes Arbeiten
Schon früh erfahren wir Prägungen durch unsere Herkunft und unser soziales Umfeld. Die Berufswahl ist häufig eher dem Notendurchschnitt als dem eigentlichen Potenzial geschuldet. Und überhaupt: Wer weiß schon als Kind, was er einmal werden will...
Dies mag wohl einer der Gründe sein, weshalb sich viele schwertun, etwas über sich zu erzählen. Interviewe ich Menschen zu ihrem bisherigen Werdegang, ernte ich nicht selten ein Achselzucken und Antworten wie "Das hat sich so ergeben". Der Lebenslauf als nüchterne Anhäufung von Daten & Fakten, erst Ausbildung bzw. Studium, dann Arbeit. Ins Bewusstsein drängen vor allem schlechte Erfahrungen, das Negative bzw. Probleme aller Art. Unser innerer Antrieb, der rote Faden in unserem Leben bleiben verborgen.
Ent-Täuschung statt Ent-Wicklung
Aus beruflichen Schubladen (Ausbildung, Studium) kommt man hierzulande so schnell nicht mehr heraus. Vergangenheit = Zukunft. So lautet die Formel, nach der Personal ausgewählt wird. Mit anderen Worten, Versuche auszubrechen und/oder den Kurs zu korrigieren, werden mit Absagen quittiert. Noch größerer Frust ist vorprogrammiert.
Ein Lebens(ver-)lauf, der bestimmt wird durch Erfahrungen in der Vergangenheit, momentane Umstände und fehlende Perspektiven. Wir bleiben bis es irgendwo nicht mehr weitergeht und gehen dann ins Nächste. Hat man Pech geht es in Richtung "vom Regen in die Traufe"; hat man Glück, geht es einem scheinbar besser… bis zum nächsten Mal.
Gefühle an der Oberfläche
Wenn die äußeren Umstände zu inneren Zuständen werden. Im Rückblick drängen Gefühle wie Kränkung, unverarbeitete Konflikte und
Ohnmacht an die Oberfläche. Die momentanen Umstände sind problembehaftet. Die Zukunft ungewiss.
Jeder sieht uns an, wenn wir uns nicht wohl fühlen in unserer Haut, uns etwas gegen den Strich geht. Schaden wir uns selbst zu lange mit Nicht-Aufmerksamkeit und übergehen permanent unsere Bedürfnisse spricht unsere Körpersprache irgendwann Bände. Wir fahren schnell aus der Haut. Die Grenzen verschwimmen. Die Lebensqualität leidet.
Erfahrungssammlerei vs. bewusste Lebensführung
Woran liegt es, dass wir immer "einfach so" ins Nächste gehen? Die meisten Menschen sind vom Klima beeinflusst sind, in dem sie arbeiten und leben:
- Wir bleiben, wo man "nett" bzw. gut zu uns ist und wir uns wohlfühlen.
- Wir leiden, wenn wir uns nicht wertgeschätzt und/oder ungerecht behandelt fühlen.
- Wir leiden und bleiben trotzdem, wenn wir uns bei netten Menschen, z. B. in einem motivierten Team, gut aufgehoben fühlen.
Mit anderen Worten: Wir machen uns von äußeren Umständen abhängig. Und irgendwann zahlen wir den Preis für Über-Anpassung und Fremdbestimmung, für unsere Miss-Achtung uns selbst gegenüber und den stillen Ausverkauf unserer Werte und Überzeugungen.
Handicap Old-School-Mindset
Tatsächlich gab es Zeiten, in denen man "noch eher wo bleiben konnte", weil es mehr gute Zeiten im Job gab als schlechte. Man war zufriedener oder - wenn unzufriedener - lohnte es sich wenigstens und man riskierte nicht gleich seine Gesundheit.
Eigentlich sollte es uns allen deutliches Signal sein, dass allein in den vergangenen 15 Jahren psychische Erkrankungen um 100 Prozent zugenommen haben, abgesehen von hohen Krankheitsquoten im Allgemeinen. Ein Signal dafür, dass vieles was im letzten Jahrhundert noch irgendwie funktionierte, jetzt eben nicht mehr funktioniert - einschließlich uns selbst.
Tragfähiges Fundament vs. Kartenhaus
Um unserer psychischen und physischen Gesundheit willen, sollten wir uns bewusst werden, dass es keine gute Idee ist:
- negative Entwicklungen und ungute Situationen zu lange auszusitzen und durchzuhalten.
- uns durch psychologisches Schönreden unserer Komfortzone in die Opferrolle zu manövrieren.
- individuelle Bedürfnisse und die (Weiter-)Entwicklung unserer Potenziale in fremde Hände zu geben.
Irgendwann geraten wir komplett außer Kontrolle, unser Leben gerät aus der Spur. Das Kartenhaus bricht zusammen.
Mitbestimmen & Gestalten statt (Er-)Warten & Hoffen
In dem Moment, indem wir uns um uns selbst kümmern, hören wir auf:
- einfach Erfahrungen zu sammeln - ohne den Wert für unsere Ent-Wicklung darin zu erkennen bzw. auszuwerten (reflektieren).
- von einem ins andere zu gehen und zu hoffen, dass es irgendwann wie von selbst unseren eigenen Vorstellungen entspricht.
- uns darüber zu beklagen, wenn andere unsere Bedürfnisse nicht erfüllen.
Jeder Mensch handelt in erster Linie in seinem eigenen Interesse - und nicht gegen dich. Deshalb ist es so wichtig, zu lernen Emotionen zu kontrollieren und selbstbestimmt zu agieren.
Warum Selbstwert von der Fähigkeit abhängt, Grenzen zu setzen
Wir entwickeln erst dann eine eigene Vorstellung von uns selbst und unserem Leben, wenn wir uns in Selbstwertschätzung und Selbstempathie üben und lernen, anderen unsere Grenzen aufzeigen. Entdecken wir, wie viel Freude es uns bringt, uns selbst mit wohlwollenden Augen zu betrachten. Denn ein positives Selbstbild aufzubauen, bedeutet automatisch sich von Fremdbestimmung und "Sich-Verkaufen/Verbiegen" zu lösen und ins natürliche Selbst-Bewusst-Sein zu kommen.
Die Fähigkeit, zu kommunizieren, wie wir möchten, dass mit uns umgegangen wird, ermöglicht uns, berufliche wie private Beziehungen so zu gestalten, wie sie uns guttun - oder anderenfalls die Konsequenzen zu ziehen (rechtzeitig;).